Freitag, 7. August 2015

Hands free

Vor einigen Tagen war ich mit einer Freundin abends ein Bierchen (okay, ich trank eine heiße Schokolade und einen Pfefferminztee ;) ) in einer Bar trinken. Nach einiger Zeit gesellte sich noch ein Bekannter hinzu und wir hatten einen echt netten Abend mit einem tollen Gespräch. Die Gedanken flogen...herrlich...
Beim Hinausgehen kommen wir an einem Tisch junger Menschen (vielleicht so gerade Anfang 20) vorbei, sechs oder sieben von ihnen...und alle (na, fast....einer saß verloren rum und guckte Löcher in die Luft) hatten ihren kleinen Bildschirm vor der Nase und tippten eifrig darauf rum...Ich war geneigt, hinzugehen und sie darauf hinzuweisen...aber...ich geb´s zu, ich hab sie ihrem Schicksal überlassen!!

Traurig macht mich diese Entwicklung schon und ich merke langsam auch, dass schon junge Kinder dieser Sucht wenig entgegen zu setzen haben. Hier sind wir Eltern also gefragt! Auf der einen Seite (und vor allem auf der!!), indem wir den Kindern ein vernünftiges Vorbild sind und unsere Nase nicht ständig in Handy, Fernsehen, Laptop und Social Media versenken, indem wir echt, reale Treffen leben und gestalten und uns selbst freimachen können vom Diktat des Dauergepiepses. Auf der anderen Seite, indem wir unsere Kinder einen sinnvollen Umgang mit den Medien lehren. Dazu gehören begrenzte Zeiten, altersangemessene Spiele und (vor allem bei Jugendlichen wichtig!) Wegschluss des Handys in der Nacht!!

In diesem Zusammenhang bin ich über ein tolles Buch gestolpert..."Der Tag, an dem ich aufhörte, "Beeil dich!" zu sagen" von Rachel Macy Stafford.






Sie beschreibt ihr eigenes Leben als Workaholic und Handy, Computer-süchtig, ein Leben mit einer niemals enden wollenden To-Do-Liste und ihrem Engagement in der Gemeinde und und und....
Und dann...ja dann wacht sie plötzlich auf und beginnt zu verändern...wundervoll, wie sie anfängt, die "kleinen" Momente des Lebens schätzen zu lernen und nach und nach freikommt vom Diktat der rasenden Welt mit ihren Pings und Klings und ihren Terminen und ihrem Zeitrdruck und all ihren "Du-musst-abers"...

Auch ich habe mich schon vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, eine zeitlang Whats App komplett abgestellt, weil mir Hunderte von Witzbildern und Kettenbriefen und das "Wieso hast du nicht geantwortet? Du warst doch online!" auf die Nerven gingen. Heute rufe ich meine E-Mails ab, wenn ich das möchte und nicht wenn mein Handy meint, es müsste mich dazu auffordern. Ich lasse meinen Online-Status nicht mehr anzeigen und ich nehme mir die Freiheit heraus, manchmal erst nach ein paar Tagen zu antworten, wenn es nicht um einen Verabredung für den gleichen Nachmittag geht.

Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich liebe reale Treffen mit meinen sehr realen Freunden, ich liebe Zeit mit meinem Sohn, die wir nicht vor dem Fernseher oder einem Handy-Spiel verbringen (auch das ist okay, aber in Maßen...und glaubt mal, DAS fällt meinem Sohnemann richtig richtig schwer!!). Ich mache keine Musik mit irgendeiner Smartphone-App, bei der man irgendwelche Knöpfe drücken muss und es kommen Töne raus...ich lerne Saxophon spielen und ich liebe es....die Vibrationen, wenn die Töne durch den Hals fließen, die unendliche Kraft und Schönheit dieses Instrumentes...abtauchen, Musik im Kopf, im Herzen, um mich herum...
Ich höre meinem Kind zu, wenn es mir von seinen Träumen erzählt und ich parke ihn nicht vor dem Fernseher, mich interessiert, was er zu sagen hat und all die Dinge, die ihn beschäftigen...ganz ehrlich...die Zeit, in der er seine Gedanken und Träume nicht mehr mit mir teilen will, kommt früh genug und dann werde ich es vermissen und wenn ich es verpasst habe, weil ich im Smartphone und in der Virtual Reality versunken war, dann wird mir vielleicht irgendwann bewusst, dass ich die Zeit niemals (ich wiederhole: NIEMALS!) wieder zurückdrehen kann....
Mir wurde schon oft vorgeworfen, dass ich meine "Pflichten" vernachlässige und mich bspw zu sehr mit meinem Sohn beschäftige...ganz ehrlich! Sch...auf die Pflichten! Zeit mit meinem Sohn oder sonst einem gelieben Menschen ist soviel wichtiger und wertvoller als, sagen wir, der Abwasch...der läuft nämlich nicht weg! Die Zeit mit meinem Kind schon...und, wenn ich Zeit mit einem geliebten Menschen verbringe: in diesem Moment gibt es nichts wichtigeres! Kein Abwasch! Kein Handy! Kein Laptop! Kein Telefonat! It´s that easy! Man muss sich nur drauf einlassen (wollen)!!

Für unser Leben 1.0 haben wir nur diese eine Chance...wir sollten sie nicht verpassen!!!

Zum Weiterlesen:

www.handsfreemama.com oder bei Facebook "The Hands Free Revolution"

Donnerstag, 30. Juli 2015

Zufriedenheit

Mal ganz ehrlich...wenn ich ein Haar in der Suppe finden will, finde ich es!! Keine Diskussion! Kein anderer kann das Haar sehen, aber für mich ist es definitiv da! Groß und schwarz und dick!!
Ich kann mich aber auch entscheiden, kein Haar zu finden bzw. erst gar nicht danach zu suchen. Ich kann mich einfach entscheiden, zufrieden zu sein.

Die erste Variante führt dazu, dass

- ich ständig schlechte Laune habe
- mir alles schlecht rede, auch wenn es gerade eigentlich ganz schön sein könnte
- die Menschen um mich herum auch miesepetrig auf mich reagieren (im schlimmsten Fall sind die       aber auch noch Schuld an allem ;) )
- a propos Schuld: die such ich auch auch immer bei den Anderen, niemals bei mir selbst
- ich mein Leben als Bürde empfinde
- ich in einem Hamsterrad aus Verpflichtungen stecke (die mir ja übrigens alle anderen aufgehalst         haben)
- ich immer weniger Freude empfinde
- keiner mehr Lust hat, sich mit mir zu treffen
- ich Besuch als anstrengend empfinde, weil man dafür ja soviel vorbereiten muss
- ich Statist in meinem eigenen Leben bin
- ich voller Neid und Eifersucht und Missgunst bin
- ...

Die zweite Variante:

- ich bin selbst verantwortlich für mein Leben und dessen Gestaltung
- ich kann akzeptieren, dass ich bestimmte Dinge einfach nicht ändern kann
- ich lade Freunde zu mir nach Hause ein, obwohl es gerade nicht tip top aussieht (Mal ganz ehrlich:     wen juckt das?)
- ich schaue optimistisch in die Zukunft
- ich bin flexibler und fröhlicher und ausgeglichener
- ich kann mich darüber freuen, wenn die Freundin ein tolles Haus baut, verliebt ist, ein Baby               bekommt
- ich bin entspannt mit meinen Kindern und mache sie nicht für mein Leben verantwortlich
- ich bin frei
- ich bin ehrlich
- ich bin authentisch
- ...

Beide Listen kann man beliebig lang erweitern, bestimmt fällt euch selbst jede Menge dazu ein.



Ich habe mich jedenfalls entschieden, zufrieden zu sein, mit dem (wundervollen) Kind, dass ich bekommen habe (auch wenn es manchmal echt anstrengend ist), mit dem tollen Mann, mit dem ich mein Leben teile (einfach, weil er ist, wie er ist, ehrlich, authentisch und immer für mich da), mit dem Haus, das wir gebaut haben (einfach, weil es unseres ist, nicht besonders groß und nicht besonders ausgefallen, aber unseres und zwar durch und durch...wer hier lebt, das sieht man), mit meinem Job, weil ich absolut liebe, was ich tue und nichts auf der Welt lieber tun würde, mit mir, weil ich akzeptiert habe, dass ich Ecken und Kanten habe, aber auch sehr sehr viel Liebenswertes...

Ich kann mein Leben mit meckern verbringen und ständig auf der Suche nach Schuldigen sein, ich kann es aber auch selbst in die Hand nehmen und anfangen, all die Dinge zu ändern, die mir nicht gefallen (und die sich ändern lassen)...manchmal sind es erstmal nur Ministeps und manchmal fühlt es sich echt zäh an und ehrlich, manchmal auch richtig einsam...aber, wenn man sich selbst und seinem Herzen näher kommt...ja...ja, dann ist das manchmal so....weil auf einmal Freundschaften nicht mehr passen und die Lücke nicht immer sofort wieder geschlossen wird.
Ich habe die Wahl, ich kann mich jetzt ängstlich in die Ecke verkriechen und niemals losgehen oder ich kann das Zepter in die Hand nehmen und beginnen, in meinem Leben aufzuräumen.

Wisst ihr übrigens, welche Sätze ich besonders lieben kann??
"Wenn ich in Rente bin, dann mache ich...."
"Wenn ich dies und jenes und noch viel mehr erledigt habe, dann fange ich zu leben an:..."
"Ich kann das nicht wegen der Kinder..."
Warum wird Glück und Zufriedenheit immer auf die lange Bank geschoben? Warum nicht im Heute, im Hier und Jetzt leben und glücklich und zufrieden sein? Das müssen nicht die großen Dinger sein, aber jeden Tag ein wenig Glück, ein wenig Zeit für mich, ein Buch lesen, wenn mir gerade danach ist, eine halbe Stunde im Gras in der Sonne liegen, einen gemütlichen Kaffee trinken gehen und dabei einfach mal nichts tun...


Auch eine Entscheidung: Hamsterrad oder Selbstbestimmung?


Sonntag, 26. Juli 2015

Über die Freiheit

Freiheit, die; der Zustand, unabhängig, nicht unterdrückt oder gefangen zu sein.

Ja, genau so sollte sich ein Leben anfühlen. Ich möchte frei sein in meinen Entscheidungen, in meinem Tun, in meinem Denken und in meinem Sein.




Ich habe das große, unfassbare Glück, ein solches Leben führen zu dürfen. Ich bin selbstständig und kann meine Arbeit gestalten, wie ich es für richtig halte, ich kann Urlaub machen, wann ich möchte, muss mich mit niemanden absprechen, ich kann zuhause meine Kreativität ausleben und unser Haus und unseren Garten gestalten (und muss mich darüber so gut wie nie mit meinem Mann streiten, da wir meistens einer Meinung sind) und, das Wichtigste von allem, ich kann mich frei bewegen, muss nicht um Erlaubnis fragen, wenn ich weg möchte.

Vielen Menschen auf dieser Welt ist diese Freiheit leider nicht vergönnt, im Großen, weil sie in Kriegsgebieten leben oder ihr Land von einem Diktator regiert wird, weil das Land arm ist und Krankheiten sie in die Knie zwingen.
Und im Kleinen, weil Menschen in Freundschaften / Beziehungen feststecken, die sie unfrei machen. Ich habe es mal bei einem meiner Ex-Freunde erlebt als er in einer neuen Beziehung war. Da habe ich ihn beim Tanken getroffen und ihn freudig begrüßt. Er hat nur den Kopf geduckt und mir zugezischt, dass er nicht mit mir reden darf, weil seine neue Freundin draussen ist. Geht´s noch? Möchte ich oder möchte irgendjemand so leben?

Freiheit bedeutet für jeden etwas anderes, der eine möchte vielleicht mehr vor die Tür als einer anderer. Ein Dritter möchte, um sich frei zu fühlen, die Welt bereisen...so sind die Vorstellungen vom Leben unterschiedlich, das ist gut so und bereichert...aber, welche Vorstellung man auch immer vom Leben hat, wichtig ist der Respekt vor dem Wunsch nach Freiheit des Anderen. Wie soll ich eine liebevolle und erfüllende Beziehung / Freundschaft führen, wenn ich meine Erwartungen und Wünsche und Ängste alle auf mein Gegenüber kippe? Und versteht mich richtig, es geht nicht darum, nur noch seinen Kopf durchzusetzen und über die Wünsche und Bedürfnisse meines Partners hinweg zu trampeln, aber es geht darum, der Stimme des eigenen Herzens zu folgen und für diese auch gegenüber dem Partner / Freund / Freundin / Kind einzutreten. Niemand hat etwas davon, wenn ich zuhause bleibe, obwohl ich eigentlich viel viel lieber gerade woanders wäre. Dieses Miteinander kann nur in einer Katastrophe enden. Habe ich aber zwischendurch die Freiheit, meinen Vorstellungen und Träumen zu folgen, dann bin ich auch wieder gerne zuhause.
Urlaub mit Freunden funktioniert genau auch nur so. Gemeinsam verreisen, ja klar, gerne, wenn es vor Ort auch möglich ist, getrennt voneinander etwas zu unternehmen. Gibt es dann jedes Mal Gemurre nach dem Motto, "wir wollten aber doch gemeinsam", tja, was dann....?!

Für mich bedeutet Freiheit, den Anderen nicht in Ketten zu legen, mich aber selbst auch nicht fesseln zu lassen. Beziehungen werden fröhlicher, freier und ehrlicher, wenn wir zulassen, dass jeder seine Art von Freiheit leben darf...
Mein Kind gehört mir nicht, mein Mann gehört mir nicht, meine Freunde gehören mir nicht.
Ein Bekannter sagte mal einen schönen Satz zu mir: "Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen!" Und ja, ich ecke oft an mit meiner Vorstellung von Erziehung, weil ich meinem Kind nicht nur mitgebe, was es alles zu tun und vor allem nicht zu tun hat, weil ich meinem Kind vor allem zwei Dinge mitgebe: 1. Vertrauen in seine Fähigkeiten und mehr und mehr auch in seine Entscheidungen und 2. nicht der Studienabschluss das Ziel seiner Bestrebungen sein muss (aber gerne darf, wenn er das möchte), sondern glücklich und zufrieden zu sein.
Mein Mann und meine Freunde sind Begleiter auf meinem Lebensweg. Ich möchte, dass sie mich gerne begleiten, bei mir sind, weil sie dies von Herzen so möchten und nicht, weil ich in irgendeiner Weise Druck auf sie ausübe.


In diesem Sinne werde ich jetzt einen wunderbaren Sonntag allein mit meinem Sohnemann verbringen, denn der Mann ist zum Sport ausgeflogen und kommt wahrscheinlich heute abend k.o und platt, aber zufrieden und glücklich nach Hause. :)